Kalkulationsprogramm für Zimmerer: Was es können muss – und was Abbund ist
Holz, Abbund, Montage und Kran — durchgerechnet an einem Dachstuhl mit 142 Quadratmetern. Plus die Abgrenzung, die beim Softwarekauf regelmäßig vermischt wird.
Ein Kalkulationsprogramm für Zimmerer muss vier Dinge können: Holzmengen aus Bauteilen ableiten, Fertigungs- und Montagezeiten je Arbeitsgang ansetzen, Kran und Rüstung als eigene Positionen führen, und aus dem Ergebnis ein Angebot machen, das der Bauherr versteht. Was es nicht können muss, ist Abbund — das ist ein anderes Programm mit einer anderen Aufgabe.
Diese Abgrenzung wird in Ausschreibungen und Verkaufsgesprächen regelmäßig vermischt. Deshalb steht sie hier am Anfang und nicht am Ende.
Was Abbund ist — und was nicht
Abbund bezeichnet das Zuschneiden und Ausarbeiten der Holzbauteile: Längen, Winkel, Zapfen, Ausklinkungen, Bohrungen. Ein Abbundprogramm konstruiert das Tragwerk dreidimensional und erzeugt daraus die Steuerdaten für die Abbundanlage sowie Werkstattzeichnungen.
Es rechnet dabei auch Mengen — das ist der Grund für die Verwechslung. Diese Mengen sind aber Konstruktionsmengen, keine Kalkulationsgrundlage. Sie enthalten weder Einkaufspreise noch Fertigungszeiten, keine Montage, keine Anfahrt und keinen Gemeinkostenzuschlag.
| Abbundprogramm | Kalkulationsprogramm | |
|---|---|---|
| Erzeugt | Geometrie, Zeichnung, Maschinendaten | Angebot, Auftrag, Rechnung |
| Rechnet | Holzmengen und Schnittdaten | Kosten, Zeiten, Preis |
| Kennt Einkaufspreise | nein | ja |
| Kennt Stundensätze | nein | ja |
| Kennt Montage und Kran | nein | ja |
| Vergleicht Soll und Ist | nein | ja |

Beide Systeme bleiben nebeneinander bestehen. Der Übergabepunkt ist die Holzliste: Sie entsteht in der Konstruktion und wird kaufmännisch bewertet. In der Mesh APP werden die Positionen daraus zu Angebotszeilen mit Preis, Zeitansatz und Zuschlag — das Abbundprogramm bleibt unangetastet daneben stehen.
Alle vier laufen auf der kaufmännischen Seite, nicht im Abbundprogramm. Eine Zimmerer-Software übernimmt die Holzliste aus der Konstruktion und bewertet sie mit Preisen, Zeiten und Zuschlägen — in der Mesh APP entsteht daraus ohne Zwischenschritt das Angebot, später der Auftrag und die Rechnung.
Die vier Blöcke einer Zimmererkalkulation
1. Holz und Material
Gerechnet wird in Kubikmetern für Konstruktionsholz und in Quadratmetern für Platten. Ein Beispiel für einen Dachstuhl eines Einfamilienhauses mit 142 m² Dachfläche:
| Position | Menge | EK | Summe |
|---|---|---|---|
| Konstruktionsvollholz C24, sägerau | 8,4 m³ | 485 € | 4.074 € |
| Brettschichtholz für Pfetten | 1,9 m³ | 780 € | 1.482 € |
| Schalung Nut und Feder | 148 m² | 14,50 € | 2.146 € |
| Verbindungsmittel, Anker, Schrauben | 1 Satz | 890 € | 890 € |
| Materialeinsatz | 8.592 € |
Verschnitt beim Konstruktionsholz liegt bei 5 bis 8 Prozent, bei Schalung je nach Zuschnitt bei 8 bis 12. Hier 7 Prozent auf Holz und 10 auf Schalung: 603 €. Materialgemeinkostenzuschlag 8 Prozent: 736 €.
Material gesamt: 9.931 €.
2. Abbund und Werkstatt
Ob maschinell abgebunden oder von Hand, macht in der Kalkulation einen erheblichen Unterschied:
- Maschineller Abbund im Haus: rund 14 Stunden für Programmierung, Rüsten und Durchlauf.
- Abbund als Fremdleistung: Pauschale je Kubikmeter, üblich sind 90 bis 140 € — bei 10,3 m³ also rund 1.180 €, plus Zuschlag für Beauftragung und Transport.
- Handabbund: für den Beispieldachstuhl 45 bis 60 Stunden. Nur noch bei Sanierung und Denkmalschutz üblich.
Wir rechnen mit maschinellem Abbund im Haus: 14 Stunden.
3. Montage
| Arbeitsgang | Zeit |
|---|---|
| Anfahrt, Abladen, Einrichten, 3 Mann | 6,0 Std. |
| Schwellen und Pfetten setzen | 9,0 Std. |
| Sparren aufstellen und verbinden | 21,0 Std. |
| Schalung aufbringen | 16,0 Std. |
| Abdeckung, Baustelle räumen | 4,0 Std. |
| Montage gesamt | 56,0 Std. |
4. Kran und Nebenkosten
- Autokran, 1 Tag inkl. Bediener: 1.150 €
- Gerüst bauseits — im Angebot ausdrücklich vermerkt
- Notabdeckung, Planen: 180 €
Der Kran ist der Posten, der am häufigsten vergessen oder zu knapp angesetzt wird. Ein zweiter Krantag, weil das Wetter nicht mitgespielt hat, kostet die gesamte kalkulierte Marge eines mittleren Dachstuhls.
Der Angebotspreis
Bei einem Stundenverrechnungssatz von 79 €:
| Block | Betrag |
|---|---|
| Material inkl. Verschnitt und MGK | 9.931 € |
| 70,0 Stunden à 79 € | 5.530 € |
| Kran und Nebenkosten | 1.330 € |
| Selbstkosten | 16.791 € |
| Gewinnaufschlag 9 % | 1.511 € |
| Angebotssumme netto | 18.302 € |
Gerundet 18.300 € netto für 142 m² Dachfläche — rund 129 € je Quadratmeter. Ein Wert, der sich gegen Erfahrungswerte prüfen lässt.

Was beim Softwarekauf tatsächlich gefragt werden sollte
Wer ein Kalkulationsprogramm sucht, bekommt Funktionslisten. Die fünf Fragen, die den Unterschied machen, stehen selten darauf:
- Kann ich Holzpreise mit Gültigkeitsdatum pflegen? Ein Materialstamm ohne Preisdatum ist bei Holz nach drei Monaten wertlos.
- Kann ich Zeitansätze je Arbeitsgang hinterlegen und wiederverwenden? Sonst wird jede Kalkulation von Hand geschätzt.
- Bleibt der kalkulierte Stand erhalten, wenn ich das Angebot ändere? Ohne gespeichertes Soll gibt es später keinen Vergleich.
- Können meine Leute Stunden auf den Auftrag buchen, nicht nur auf den Tag? Die Voraussetzung für alles Weitere.
- Was passiert mit den Daten, wenn ich kündige? Eine Frage, die vor dem Kauf höflich und danach unangenehm ist.
Was dagegen keine sinnvolle Frage ist: „Kann das Programm auch abbinden?“ Ein Kalkulationsprogramm, das behauptet, Abbund zu ersetzen, ist entweder missverstanden worden oder verspricht zu viel.
Sanierung rechnet anders als Neubau
Die Beispielrechnung oben gilt für einen Neubau mit bekannten Maßen und freier Baustelle. Bei Sanierung und Aufstockung verschieben sich drei Blöcke deutlich:
- Aufmaß vor Ort statt aus dem Plan. Altbauten sind selten im Winkel. Was im Plan rechtwinklig aussieht, hat in Wirklichkeit vier unterschiedliche Sparrenlängen.
- Rückbau und Entsorgung als eigene Positionen. Altes Dachholz kann belastet sein, die Entsorgung kostet dann ein Vielfaches.
- Erschwernis bei der Montage. Kein Kranstellplatz, bewohntes Haus, Arbeiten nur zwischen 8 und 17 Uhr. Zuschläge von 20 bis 40 Prozent auf die Montagezeit sind hier normal und gehören begründet ins Angebot.
Der ehrlichste Umgang mit Unsicherheit ist ein Einheitspreisangebot mit einer klar beschriebenen Erkundungsposition: Ein halber Tag Öffnen und Begutachten, danach ein verbindliches Angebot. Das kostet den Bauherrn wenig und ersetzt eine Pauschale, die für beide Seiten ein Glücksspiel wäre.
Warum Holz, Lohn und Kran getrennt bleiben
Ein Pauschalpreis über 18.300 € ist für den Bauherrn nicht prüfbar und für den Betrieb nicht verteidigbar. Drei getrennte Positionen sind beides.
Der praktische Grund wiegt schwerer als der kaufmännische: Holzpreise bewegen sich. Wer Holz als eigene Position führt, kann einen Preisvorbehalt genau dort anbringen, wo er hingehört — ohne den ganzen Auftrag unter Vorbehalt zu stellen. Bei einem Angebot mit zwölf Wochen Vorlauf ist das keine Vorsichtsmaßnahme, sondern Kalkulationsbestandteil.
Was sich in der Nachkalkulation zeigt
Die drei Positionen, bei denen Zimmereien regelmäßig danebenliegen:
- Schalung. Der Ansatz je Quadratmeter stimmt bei einfachen Dächern und kippt bei Gauben, Kehlen und Dachfenstern. Bei einem Dach mit drei Gauben sind 30 Prozent Mehraufwand auf die Schalung normal.
- Anfahrt und Rüstzeit. Bei Aufträgen über mehrere Tage wird die tägliche An- und Abfahrt oft nur einmal angesetzt.
- Wetterbedingte Stillstände. Kalkulatorisch schwer zu fassen, aber bei Dacharbeiten im Winterhalbjahr eine reale Größe. Wer sie nicht einpreist, trägt sie.
Sichtbar wird das nur, wenn Stunden auf den Auftrag gebucht werden statt auf die Woche. Der Weg dahin steht in Nachkalkulation im Handwerk.
Was der Betrieb dafür braucht
Einen Materialstamm, in dem Holzpreise mit Datum stehen, Zeitansätze je Arbeitsgang, und eine Auswertung, die kalkulierte gegen tatsächliche Stunden stellt.
Konkret sind das Produkte für den Materialstamm, Projekte für den Soll-Ist-Vergleich und eine Zimmerer-Software, in der Angebot, Zeiten und Rechnung am selben Auftrag hängen. Das Abbundprogramm bleibt daneben stehen und liefert die Holzliste.
Der Stundensatz von 79 €, mit dem hier gerechnet wurde, entsteht aus einer Vollkostenrechnung — der Weg dorthin steht in Stundenverrechnungssatz im Handwerk berechnen.